Der richtige Umgang mit „Depotleichen“

Depotleichen

Der richtige Umgang mit „Depotleichen“

Depotleichen? Hallo liebe Börsenfreunde und willkommen zurück auf dividenden-statt-zinsen.de, wo auch heute wieder ein interessanter Beitrag auf euch wartet. Leider habe ich es letzte Woche zeitlich nicht geschafft, einen Artikel für euch zu veröffentlichen. (Ich arbeite derzeit an meinem Buch, das sehr bald veröffentlicht wirdDeshalb freut es mich umso mehr, heute mal wieder hier aktiv zu sein. Doch genug der einleitenden Worte…

Depotleichen? Was ist das?

Jeder, der sich schon eine Zeit mit der Börse beschäftigt kennt sie. Und obwohl niemand sie haben will, tauchen sie leider doch immer wieder bei uns allen auf. Die Rede ist von den sogenannten
„Depotleichen“. Unter diesem ungeliebten Begriff verbergen sich die Aktien, die wir uns in der Vergangenheit in unser Depot gelegt haben, mit der Erwartung schöne Renditen durch Kursgewinne und eventuelle Dividenden zu erwirtschaften.

Tja, wie das Leben so spielt laufen die Dinge nicht immer so, wie wir sie gerne hätten. Das gilt eben leider auch für die Börse. Und statt das zu tun, was die Aktie tun soll (nämlich steigen), fällt sie nach unserem Kauf. Das ist noch kein Beinbruch, denn wer schafft es schon immer direkt am Tiefpunkt einzusteigen bevor die Aktie wieder ihren Kurs nach Norden aufnimmt. Doch wenn es im weiteren Verlauf immer stärker nach unten geht kommen wir ins Grübeln.

„Das kann doch gar nicht sein! Wann dreht die Aktie endlich? Hätte ich einen Stop loss setzen sollen?“

Dann stellt sich auch schon mal die Frage, ob wir nachkaufen sollten oder nicht und falls wir diese Frage mit „ja“ beantworten, wann ist der richtige Zeitpunkt dafür? Manche von uns verfolgen mit dieser Strategie sogar lediglich das Ziel, ihren Einstiegskurs zu verwässern um wenigstens noch Breakeven aus der Aktie herauszukommen. Das heißt dann, dass die Aktie, sobald sie den jetzt niedrigeren Einstiegskurs erreicht hat, sofort verkauft wird, um wenigstens keinen Verlust zu erzielen. Was aber, wenn die Aktie nach unserem Nachkauf dann noch weiter fällt, oder eine ganze Zeit lang nur seitwärts vor sich her dümpelt?

In diesem Fall haben wir der vermeintlich schlechten Investition (unserer Depotleiche) noch weiteres Geld hinterher geworfen. Und dieses Geld ist jetzt zunächst einmal geparkt. Das heißt, dass es uns jetzt auch nicht für andere Aktienkäufe zur Verfügung steht. Wenn wir dann also neue gute Anlagemöglichkeiten sehen, dann müssen wir unter Umständen leider darauf verzichten dort zu zuschlagen und zu kaufen sofern wir nicht über genügend weitere finanzielle Mittel verfügen.

Wenn wir uns gegen einen Nachkauf entscheiden, kommt es nicht selten vor, dass die Aktie dann doch dreht und wir uns möglicherweise ärgern, nicht nachgekauft zu haben. Das gilt insbesondere dann, wenn die Aktie gar nicht erst unseren  Einstiegskurs erreicht, sondern schon vorher beginnt wieder zu fallen. Hätten wir uns entschlossen doch nachzukaufen um zu verwässern, wären wir vielleicht schon vor dem erneuten Fall der Aktie im Plus gewesen.

Investoren, die mit Stop Loss arbeiten, haben zwar dieses Problem in der Form nicht, müssen sich aber mit anderen Ärgernissen herumschlagen. Denn auch wenn Sie ihren Stop Loss akribisch nach charttechnischen Mustern setzen (x% unter das letzte Tief oder eine „maßgebliche Unterstützungslinie“,…), kommt es oft genug vor, dass die Aktie genau den Stop Loss reißt und automatisch verkauft wird nur um anschließend wieder nach oben zu drehen und sogar sehr zeitnah neue Höchstkurse zu erreichen. Das ist dann im Nachhinein auch sehr ägerlich.

„Was also tun?“

Generell gibt es, so meine persönliche Erfahrung, kein Patentrezept, das immer angewendet werden kann oder muss. Ein Stopp Loss ist zwar prinzipiell eine gute Sache, kann aber wie oben beschrieben schnell zu Frustrationen führen. Das gilt insbesondere natürlich dann, wenn das oben genannte Muster häufiger auftritt.

Historisch betrachtet, entwickelt sich der Aktienmarkt langfristig nach oben. Wer also genug Geduld mitbringt, sollte damit gut fahren. Das gilt aber selbstverständlich nicht für alle Aktien gleichermaßen. Eine schlechte Entwicklung kann sich auch langfristig fortsetzen, sofern die fundamentalen Voraussetzungen für den Erfolg des Unternehmens nicht mehr gegeben sind. Irgendwann müssen wir uns das dann auch eingestehen und den Verlust realisieren. Das Geld, das wir in diese  „Depotleichen“ investiert haben, konnte aber in der ganzen Zeit nicht „für uns arbeiten“ und Erträge erwirtschaften.

Meine persönliche Empfehlung lautet daher sich Antworten zu den folgenden Fragen zu überlegen.

  1. Haben sich die fundamentalen Daten für das Unternehmen und dessen Zukunft wesentlich verschlechtert?
  2. Glaube ich langfristig an den Erfolg des Unternehmens und hohe zukünftige Renditen?
  3. Gibt es aktuell unter Rendite-Risiko-Gesichtspunkten Anlagemöglichkeiten wo ich deutlich mehr verdienen kann? Macht es Sinn jetzt den Verlust  bei der vermeintlichen „Depotleiche“ zu realisieren und das Geld stattdessen in diese Alternativanlagen zu investieren?

Auch wenn diese Liste jetzt nicht abschließend ist, wage ich die Behauptung, das diejenigen unter uns, die sich selbst diese Fragen beantworten können, auch die für sich richtige Entscheidung treffen können.

PS: Wenn ihr wissen wollt, was meine persönliche „Depotleiche“ ist, die mir bei jedem Blick in mein Depot ärgerlich aufstößt, dann abonniert einfach meinen kostenlosen Newsletter (rechts in der Seitenleiste) und ich werde es euch verraten.

Als Lektüre der Woche empfehle ich heute den Altmeister.

Ansonsten noch einen schönen Sonntag und bis zum nächsten Mal.

 

 

 

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