Die Mär vom Stop Loss

Die Stop Loss Order

Die Mär vom Stop Loss

Der Stop Loss gilt oft als Allheilmittel, wenn es darum geht rechtzeitig aus einer Aktienposition herauszukommen. Er kann dafür genutzt werden Verluste zu begrenzen (daher stammt ja auch der Name) aber genauso gut auch um Gewinne abzusichern. Wenn die Position schon deutlich ins Plus gelaufen ist, und wir unsere Gewinne „sichern“ möchten, setzen viele Händler gerne einen sogenannten Trailing Stop Loss. In diesem Fall wird der Stopp Loss automatisch nach einem vorher festgelegten Abstand nachgezogen. Diesen Abstand können du und ich als Aktionär selbst wählen. Wir können uns also dazu entschließen einen prozentualen Abstand (bsp. 10% vom aktuellen Kursniveau) oder einen Fixbetrag in Euro zu wählen. Steigt unsere Aktie weiter, dann wird der Stop Loss einfach automatisch nachgezogen, ohne dass wir uns weiter darum kümmern müssen. Fällt die Aktie leicht, aber berührt unser gewähltes Level nicht, bleibt der Stopp Loss auf dem aktuellen Level stehen. Und zwar so lange, bis die Aktie wieder ansteigt und der Stop Loss weiter nachgezogen werden kann, oder die Aktie unter unser Stop Loss Level fällt und die Aktie automatisch verkauft wird. Klingt einfach und sinnvoll oder? Wenig Aufwand und gleichzeitig geschützt. Es gibt aber gleich mehrere Probleme die du hier beachten solltest.

Der Trailing Stop Loss

Nicht selten kommt es vor, dass die Aktie unter das vorher festgelegte Level fällt und automatisch verkauft wird um dann kurze Zeit später wieder deutlich anzusteigen. Im Traderjargon kennt man so etwas auch als Stop Fishing. Für uns Investoren ist sowas aber doppelt ärgerlich. Möglicherweise haben wir einen Top Titel aus unserem Depot verkauft, und müssen jetzt von der Seite aus den steigenden Kursen hilflos hinterher schauen oder am Ende doch wieder teurer neu kaufen. Hinzu kommt, dass die eventuell bereits über einen längeren Zeitraum angesammelten Kursgewinne sofort unnötigerweise versteuert werden müssen. Jeder der schon länger als Investor aktiv ist, wird diese Konstellation schon einmal ärgerlicherweise erlebt haben.

Die „normale Stop Loss

Der „normale“ Stop Loss ist nicht das was er zu sein scheint. Wenn dieser nämlich ausgelöst wird, dann wird deine Aktie als sogenannte Market Order ausgeführt. Das bedeutet, dass deine Aktie zum nächstbesten Kurs verkauft wird. Sicherlich, bei besonders liquiden Bluechips ist das in normalen Börsenzeiten kein Problem. Da bewegen wir uns dann lediglich im Centbereich. Was allerdings wenn wir einen weniger liquiden Wert haben? Dann kann es schnell passieren, das die Stop Loss Order zu einem für uns sehr schlechten Kurs ausgeführt wird und wir auf viel Geld verzichten. Wenn wir jetzt tatsächlich einmal vom schlimmsten ausgehen und ein Black Swan Event den Markt trifft, was dann? Zu welchem Kurs wird deine Aktie dann automatisch wohl verkauft werden?

Die Limit Stop Loss-Limit Order

Ah, die ganz schlauen Investoren glauben der Limitzusatz würde sie schützen. Hier können wir nämlich die „normale Stop Loss Order noch mit einem Limitzusatz versehen und einen Mindestpreis setzen zu dem wir verkaufen. Wir sichern uns dann beim Verkauf einen Mindestbetrag. Perfekt richtig? Fasch! Denn mit dieser Art von Order wird der Schutz vor Verlusten gewissermaßen ausgehebelt. Warum das? Ganz einfach. Wir haben uns dazu entschieden, die Aktie nicht unter dem Mindestbetrag zu verkaufen. Wenn es allerdings zu einem Gap kommt, das heißt deine Bank/dein Broker kann deine Aktien nicht mehr zu diesem Preis verkaufen, dann bleiben diese einfach im Depot als wäre nichts geschehen. Also nichts mit Stop Loss Absicherung. Die Aktie kann dann theoretisch! weiter fallen bis sie bei 0€ steht ohne das dein Stop Loss jemals gegriffen hat.

Und nun?

Was wollte ich hiermit erreichen? Der zugegebener Maßen mal wieder etwas provokativ formulierte Titel soll uns als Investoren einfach noch einmal verdeutlichen, was die Stop Loss Order eigentlich tut. Sage ich, wir sollten sie niemals verwenden? Mit Nichten! Aber ist sie ein Allheilmittel? Meiner bescheidenen Meinung nach ebenso wenig. Wir Investoren sollten uns also vorab genau klar machen, was genau dieser Ordertyp für uns tun kann, und ob ein Stop Loss, bzw. welcher Stop-Loss-Typ  bei der jeweiligen Position sinnvoll ist.

 

 

 

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